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Merkwürdiges gehört oder gesehen, das sie nun zu erzählen wissen. Einen noch schöneren
Grund, den mir einst ein Freund des Scheik sagte, will ich Euch wiedergeben: Diese Leute
waren bis jetzt in seinem Hause als Sklaven, hatten sie auch keine schwere Arbeit zu
verrichten, so war es doch immer Arbeit, zu der sie gezwungen waren, und mächtig der
Unterschied zwischen ihnen und freien Leuten. Sie durften sich, wie es Sitte ist, dem Scheik
nicht anders als mit den Zeichen der Unterwürfigkeit nähern. Sie durften nicht zu ihm reden,
außer er fragte sie, und ihre Rede mußte kurz sein. Heute sind sie frei; und ihr erstes
Geschäft als freie Leute ist, in großer Gesellschaft und vor ihrem bisherigen Herrn lange und
offen sprechen zu dürfen. Sie fühlen sich nicht wenig geehrt dadurch, und ihre unverhoffte
Freilassung wird ihnen dadurch nur um so werter."
"Siehe", unterbrach ihn der Schreiber, "dort steht der vierte Sklave auf; der Aufseher hat ihm
wohl schon das Zeichen gegeben, lasset uns niedersetzen und hören!"
(Im Märchenalmanach von 1827 folgte an dieser Stelle"Der gebackene Kopf" von James
Justinian Morier (1780-1849))
Der Scheik äußerte seinen Beifall über diese Erzählung. Er hatte, was in Jahren nicht
geschehen war, einigemal gelächelt, und seine Freunde nahmen dies als eine gute
Vorbedeutung. Dieser Eindruck war den jungen Männern und dem Alten nicht entgangen.
Auch sie freuten sich darüber, daß der Scheik, auf eine halbe Stunde wenigstens, zerstreut
wurde; denn sie ehrten seinen Kummer und die Trauer um sein Unglück, sie fühlten ihre
Brust beengt, wenn sie ihn so ernst und stille seinem Grame nachhängen sahen, und
gehobener, freudiger waren sie, als die Wolke seiner Stirne auf Augenblicke vorüberzog.
"Ich kann mir wohl denken", sagte der Schreiber, "daß diese Erzählung günstigen Eindruck
auf ihn machen mußte; es liegt so viel Sonderbares, Komisches darin, daß selbst der heilige
Derwisch auf dem Berge Libanon, der in seinem Leben noch nie gelacht hat, laut auflachen
müßte."
"Und doch", sprach der Alte lächelnd, "und doch ist weder Fee noch Zauberer darin
erschienen; kein Schloß von Kristall, keine Genien, die wunderbare Speisen bringen, kein
Vogel Rock, noch ein Zauberpferd -"
"Ihr beschämt uns", rief der junge Kaufmann, "weil wir mit so vielem Eifer von jenen Märchen
unserer Kindheit sprachen, die uns noch jetzt so wunderbar anziehen, weil wir jene Momente
aufzählten, wo uns das Märchen so mit sich hinwegriß, daß wir darin zu leben wähnten, weil
wir dies so hoch anschlugen, wollet Ihr uns beschämen und auf feine Art zurechtweisen;
nicht so?"
"Mitnichten! Es sei ferne von mir, eure Liebe zum Märchen zu tadeln; es zeugt von einem
unverdorbenen Gemüt, daß ihr euch noch so recht gemütlich in den Gang des Märchens
versetzen konntet, daß ihr nicht wie andere vornehm darauf, als auf ein Kinderspiel,
herabsehet, daß ihr euch nicht langweilt und lieber ein Roß zureiten oder auf dem Sofa
behaglich einschlummern oder halb träumend die Wasserpfeife rauchen wolltet, statt
dergleichen euer Ohr zu schenken. Es sei ferne von mir, euch darum zu tadeln; aber das
freut mich, daß auch eine andere Art von Erzählung euch fesselt und ergötzt, eine andere Art
als die, welche man gewöhnlich Märchen nennt."
"Wie versteht Ihr dies? Erklärt uns deutlicher, was Ihr meinet. Eine andere Art als das
Märchen?" sprachen die Jünglinge unter sich.
"Ich denke, man muß einen gewissen Unterschied machen zwischen Märchen und
Erzählungen, die man im gemeinen Leben Geschichten nennt. Wenn ich euch sage, ich will
euch ein Märchen erzählen, so werdet ihr zum voraus darauf rechnen, daß es eine
Begebenheit ist, die von dem gewöhnlichen Gang des Lebens abschweift und sich in einem
Gebiet bewegt, das nicht mehr durchaus irdischer Natur ist. Oder, um deutlicher zu sein, ihr
werdet bei dem Märchen auf die Erscheinung anderer Wesen als allein sterblicher Menschen
rechnen können; es greifen in das Schicksal der Person, von welcher das Märchen handelt,
fremde Mächte, wie Feen und Zauberer, Genien und Geisterfürsten, ein; die ganze
Erzählung nimmt eine außergewöhnliche, wunderbare Gestalt an und ist ungefähr
anzuschauen wie die Gewebe unserer Teppiche oder viele Gemälde unserer besten Meister,
welche die Franken Arabesken nennen. Es ist dem echten Muselmann verboten, den
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