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war, befahl er, beide Schüsseln ans Feuer zu setzen und genau so lange kochen zu lassen,
bis er rufen werde; dann fing er an zu zählen eins, zwei, drei, und so fort, und gerade, als er
fünfhundert gezählt hatte, rief er "Halt!" die Töpfe wurden weggesetzt, und der Kleine lud den
Küchenmeister ein, zu kosten.
Der Mundkoch ließ sich von einem Küchenjungen einen goldenen Löffel reichen, spülte ihn
im Bach und überreichte ihn dem Oberküchenmeister; dieser trat mit feierlicher Miene an
den Herd, nahm von den Speisen, kostete, drückte die Augen zu, schnalzte vor Vergnügen
mit der Zunge und sprach dann: "Köstlich, bei des Herzogs Leben, köstlich! Wollet Ihr nicht
auch ein Löffelein zu Euch nehmen, Aufseher des Palastes?" Dieser verbeugte sich, nahm
den Löffel, versuchte, und war vor Vergnügen und Lust außer sich. "Eure Kunst in Ehren,
lieber Frühstückmacher, Ihr seid ein erfahrner Koch, aber so herrlich habt Ihr weder die
Suppe noch die Hamburger Klöße machen können!" Auch der Koch versuchte jetzt,
schüttelte dann dem Zwerg ehrfurchtsvoll die Hand und sagte: "Kleiner! du bist Meister in der
Kunst, ja das Kräutlein Magentrost, das gibt allem einen ganz eigenen Reiz."
In diesem Augenblick kam der Kammerdiener des Herzogs in die Küche und berichtete, daß
der Herr das Frühstück verlange. Die Speisen wurden nun auf silberne Platten gelegt und
dem Herzog zugeschickt; der Oberküchenmeister aber nahm den Kleinen in sein Zimmer
und unterhielt sich mit ihm. Kaum waren sie aber halb so lange da, als man ein Paternoster
spricht (es ist dies das Gebet der Franken, o Herr, und dauert nicht halb so lange, als das
Gebet der Gläubigen) so kam schon ein Bote und rief den Oberküchenmeister zum Herrn. Er
kleidete sich schnell in sein Festkleid und folgte dem Boten.
Der Herzog sah sehr vergnügt aus. Er hatte alles aufgezehrt, was auf den silbernen Platten
gewesen war, und wischte sich eben den Bart ab, als der Oberküchenmeister zu ihm eintrat.
"Höre Küchenmeister", sprach er, "ich bin mit deinen Köchen bisher immer sehr zufrieden
gewesen; aber sage mir, wer hat heute mein Frühstück bereitet? So köstlich war es nie, seit
ich auf dem Thron meiner Väter sitze; sage an, wie er heißt, der Koch, daß wir ihm einige
Dukaten zum Geschenk schicken."
"Herr! das ist eine wunderbare Geschichte", antwortete der Oberküchenmeister, und
erzählte, wie man ihm heute frühe einen Zwerg gebracht, der durchaus Koch werden wollte,
und wie sich dies alles begeben. Der Herzog verwunderte sich höchlich, ließ den Zwerg vor
sich rufen, und fragte ihn aus, wer er sei und woher er komme. Da konnte nun der arme
Jakob freilich nicht sagen, daß er verzaubert worden sei und früher als Eichhörnchen gedient
habe; doch blieb er bei der Wahrheit, indem er erzählte, er sei jetzt ohne Vater und Mutter,
und habe bei einer alten Frau kochen gelernt. Der Herzog fragte nicht weiter, sondern
ergötzte sich an der sonderbaren Gestalt seines neuen Koches.
"Willst du bei mir bleiben", sprach er, "so will ich dir jährlich fünfzig Dukaten, ein Festkleid
und noch überdies zwei Paar Beinkleider reichen lassen. Dafür mußt du aber täglich mein
Frühstück selbst bereiten, mußt angeben, wie das Mittagessen gemacht werden soll, und
überhaupt dich meiner Küche annehmen. Da jeder in meinem Palast seinen eigenen Namen
von mir empfängt, so sollst du Nase heißen, und die Würde eines Unterküchenmeisters
bekleiden."
Der Zwerg Nase fiel nieder vor dem mächtigen Herzog in Frankenland, küßte ihm die Füße
und versprach, ihm treu zu dienen.
So war nun der Kleine fürs erste versorgt, und er machte seinem Amt Ehre; denn man kann
sagen, daß der Herzog ein ganz anderer Mann war, während der Zwerg Nase sich in seinem
Hause aufhielt. Sonst hatte es ihm oft beliebt, die Schüsseln oder Platten, die man ihm
auftrug, den Köchen an den Kopf zu werfen; ja, dem Oberküchenmeister selbst warf er im
Zorn einmal einen gebackenen Kalbsfuß, der nicht weich genug geworden war, so heftig an
die Stirne, daß er umfiel und drei Tage zu Bette liegen mußte. Der Herzog machte zwar, was
er im Zorn getan, durch einige Hände voll Dukaten wieder gut, aber dennoch war nie ein
Koch ohne Zittern und Zagen mit den Speisen zu ihm gekommen. Seit der Zwerg im Hause
war, schien alles wie durch Zauber umgewandelt; der Herr aß jetzt statt dreimal des Tages
fünfmal, um sich an der Kunst seines kleinsten Dieners recht zu laben, und dennoch verzog
er nie eine Miene zum Unmut; nein, er fand alles neu, trefflich, war leutselig und angenehm,
und wurde von Tag zu Tag fetter.
Oft ließ er mitten unter der Tafel den Küchenmeister und den Zwerg Nase rufen, setzte den
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