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er wortbrüchig sei. Dadurch entstand denn ein großer Krieg zwischen beiden Fürsten, der in
der Geschichte unter dem Namen "Kräuterkrieg" wohlbekannt ist; es wurde manche Schlacht
geschlagen, aber am Ende doch Friede gemacht, und diesen Frieden nennt man bei uns den
"Pastetenfrieden", weil beim Versöhnungsfest durch den Koch des Fürsten die Souzeraine,
die Königin der Pasteten, zubereitet wurde, welche sich der Herr Herzog trefflich schmecken
ließ.
So führen oft die kleinsten Ursachen zu großen Folgen; und dies, o Herr, ist die Geschichte
des Zwerges Nase.
So erzählte der Sklave aus Frankistan; nachdem er geendet hatte, ließ der Scheik Ali Banu
ihm und den andern Sklaven Früchte reichen, sich zu erfrischen, und u nterhielt sich,
während sie aßen, mit seinen Freunden. Die jungen Männer aber, die der Alte eingeführt
hatte, waren voll Lobes über den Scheik, sein Haus und alle seine Einrichtungen. "Wahrlich",
sprach der junge Schreiber, "es gibt keinen angenehmern Zeitvertreib, als Geschichten
anzuhören. Ich könnte tagelang so hinsitzen, die Beine untergeschlagen, einen Arm aufs
Kissen gestützt, die Stirne in die Hand gelegt, und, wenn es ginge, des Scheiks große
Wasserpfeife in der Hand und Geschichten anhören - so ungefähr stelle ich mir das Leben
vor in den Gärten Mahomeds."
"Solange Ihr jung seid und arbeiten könnt", sprach der Alte, "kann ein solcher träger Wunsch
nicht Euer Ernst sein. Aber das gebe ich Euch zu, daß ein eigener Reiz darin liegt, etwas
erzählen zu hören. So alt ich bin, und ich gehe nun ins siebenundsiebenzigste Jahr, so viel
ich in meinem Leben schon gehört habe, so verschmähe ich es doch nicht, wenn an der
Ecke ein Geschichtenerzähler sitzt und um ihn in großem Kreis die Zuhörer, mich ebenfalls
hinzuzusetzen und zuzuhören. Man träumt sich ja in die Begebenheiten hinein, die erzählt
werden, man lebt mit diesen Menschen, mit diesen wundervollen Geistern, mit Feen u nd
dergleichen Leuten, die uns nicht alle Tage begegnen, und hat nachher, wenn man einsam
ist, Stoff, sich alles zu wiederholen, wie der Wanderer, der sich gut versehen hat, wenn er
durch die Wüste reist."
"Ich habe nie so darüber nachgedacht", erwiderte ein anderer der jungen Leute, "worin der
Reiz solcher Geschichten eigentlich liegt. Aber mir geht es wie Euch. Schon als Kind konnte
man mich, wenn ich ungeduldig war, durch eine Geschichte zum Schweigen bringen. Es war
mir anfangs gleichgültig, von was es handelte, wenn es nur erzählt war, wenn nur etwas
geschah; wie oft habe ich, ohne zu ermüden, jene Fabeln angehört, die weise Männer
erfunden, und in welche sie einen Kern ihrer Weisheit gelegt haben: vom Fuchs und vom
törichten Raben, vom Fuchs und vom Wolf, viele Dutzend Geschichten vom Löwen und den
übrigen Tieren. Als ich älter wurde, und mehr unter die Menschen kam, genügten mir jene
kurzen Geschichten nicht mehr; sie mußten schon länger sein, mußten von Menschen und
ihren wunderbaren Schicksalen handeln."
"Ja, ich entsinne mich noch wohl dieser Zeit", unterbrach ihn einer seiner Freunde. "Du warst
es, der uns diesen Drang nach Erzählungen aller Art beibrachte. Einer eurer Sklaven wußte
so viel zu erzählen, als ein Kameltreiber von Mekka nach Medina spricht; wann er fertig war
mit seiner Arbeit, mußte er sich zu uns setzen auf den Grasboden vor dem Hause, und da
baten wir so lange, bis er zu erzählen anfing, und das ging fort und fort, bis die Nacht
heraufkam."
"Und erschloß sich uns", entgegnete der Schreiber, "erschloß sich uns da nicht ein neues,
nie gekanntes Reich, das Land der Genien und Feen, bebaut mit allen Wundern der
Pflanzenwelt, mit reichen Palästen von Smaragden und Rubinen, mit riesenhaften Sklaven
bevölkert, die erschienen, wenn man einen Ring hin und wider dreht, oder die Wunderlampe
reibt, oder das Wort Salomos ausspricht, und in goldenen Schalen herrliche Speisen
bringen. Wir fühlten uns unwillkürlich in jenes Land versetzt, wir machten mit Sindbad seine
wunderbaren Fahrten, wir gingen mit Harun Al-Raschid, dem weisen Beherrscher der
Gläubigen, abends spazieren, wir kannten Giaffar, seinen Vezier, so gut als uns selbst, kurz,
wir lebten in jenen Geschichten, wie man nachts in Träumen lebt, und es gab keine schönere
Tageszeit für uns, als den Abend, wo wir uns einfanden auf dem Rasenplatz und der alte
Sklave uns erzählte. Aber sage uns, Alter, worin liegt es denn eigentlich, daß wir damals so
gerne erzählen hörten, daß es noch jetzt für uns keine angenehmere Unterhaltung gibt?"
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