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ihm zu, und setzte sich wieder zur Arbeit. Der Kleine aber ging sehr niedergeschlagen über
die Straße zu Urban, dem Barbier, den er noch aus früheren Zeiten wohl kannte. "Guten
Morgen, Urban", sprach er zu ihm, "ich komme, Euch um eine Gefälligkeit zu bitten, seid so
gut und lasset mich ein wenig in Euren Spiegel schauen."
"Mit Vergnügen, dort steht er", rief der Barbier lachend, und seine Kunden, denen er den Bart
scheren sollte, lachten weidlich mit. "Ihr seid ein hübsches Bürschchen, schlank und fein, ein
Hälschen wie ein Schwan, Händchen wie eine Königin, und ein Stumpfnäschen, man kann
es nicht schöner sehen. Ein wenig eitel seid Ihr darauf, das ist wahr; aber beschauet Euch
immer, man soll nicht von mir sagen, ich habe Euch aus Neid nicht in meinen Spiegel
schauen lassen."
So sprach der Barbier, und wieherndes Gelächter füllte die Baderstube. Der Kleine aber war
indes vor den Spiegel getreten und hatte sich beschaut. Tränen traten ihm in die Augen. "Ja,
so konntest du freilich deinen Jakob nicht wiedererkennen, liebe Mutter", sprach er zu sich,
"so war er nicht anzuschauen in den Tagen der Freude, wo du gerne mit ihm prangtest vor
den Leuten!" Seine Augen waren klein geworden, wie die der Schweine, seine Nase war
ungeheuer, und hing über Mund und Kinn herunter, der Hals schien gänzlich weggenommen
worden zu sein; denn sein Kopf stak tief in den Schultern, und nur mit den größten
Schmerzen konnte er ihn rechts und links bewegen; sein Körper war noch so groß als vor
sieben Jahren, da er zwölf Jahre alt war, aber wenn andere vom zwölften bis ins zwanzigste
in die Höhe wachsen, so wuchs er in die Breite, der Rücken und die Brust waren weit
ausgebogen, und waren anzusehen wie ein kleiner, aber sehr dick gefüllter Sack; dieser
dicke Oberleib saß auf kleinen, schwachen Beinchen, die dieser Last nicht gewachsen
schienen, aber um so größer waren die Arme, die ihm am Leib herabhingen, sie hatten die
Größe, wie die eines wohlgewachsenen Mannes, seine Hände waren grob und braungelb,
seine Finger lang und spinnenartig, und wenn er sie recht ausstreckte, konnte er damit auf
den Boden reichen, ohne daß er sich bückte. So sah er aus, der kleine Jakob, zum
mißgestalteten Zwerg war er geworden.
Jetzt gedachte er auch jenes Morgens, an welchem das alte Weib an die Körbe seiner
Mutter getreten war. Alles was er damals an ihr getadelt hatte, die lange Nase, die häßlichen
Finger, alles hatte sie ihm angetan, und nur den langen, zitternden Hals hatte sie gänzlich
weggelassen.
"Nun, habt Ihr Euch jetzt genug beschaut, mein Prinz?" sagte der Barbier, indem er zu ihm
trat und ihn lachend betrachtete. "Wahrlich, wenn man sich dergleichen träumen lassen
wollte, so komisch könnte es einem im Traume nicht vorkommen. Doch ich will Euch einen
Vorschlag machen, kleiner Mann. Mein Barbierzimmer ist zwar sehr besucht, aber doch seit
neuerer Zeit nicht so, wie ich wünsche. Das kommt daher, weil mein Nachbar, der Barbier
Schaum, irgendwo einen Riesen aufgefunden hat, der ihm die Kunden ins Haus lockt. Nun,
ein Riese zu werden ist gerade keine Kunst, aber so ein Männchen wie Ihr, ja, das ist schon
ein ander Ding. Tretet bei mir in Dienste, kleiner Mann, Ihr sollt Wohnung, Essen, Trinken,
Kleider, alles sollt Ihr haben; dafür stellt Ihr Euch morgens unter meine Türe und ladet die
Leute ein hereinzukommen; Ihr schlaget den Seifenschaum, reichet den Kunden das
Handtuch, und seid versichert, wir stehen uns beide gut dabei; ich bekomme mehr Kunden,
als jener mit dem Riesen, und jeder gibt Euch gerne noch ein Trinkgeld."
Der Kleine war in seinem Innern empört über den Vorschlag, als Loc kvogel für einen Barbier
zu dienen. Aber mußte er sich nicht diesen Schimpf geduldig gefallen lassen? Er sagte dem
Barbier daher ganz ruhig, daß er nicht Zeit habe zu dergleichen Diensten, und ging weiter.
Hatte das böse alte Weib seine Gestalt unterdrückt, so hatte sie doch seinem Geist nichts
anhaben können, das fühlte er wohl; denn er dachte und fühlte nicht mehr, wie er vor sieben
Jahren getan, nein, er glaubte in diesem Zeitraum weiser, verständiger geworden zu sein; er
trauerte nicht um seine verlorne Schönheit, nicht über diese häßliche Gestalt, sondern nur
darüber, daß er wie ein Hund von der Türe seines Vaters gejagt werde. Darum beschloß er,
noch einen Versuch bei seiner Mutter zu machen.
Er trat zu ihr auf den Markt und bat sie, ihm ruhig zuzuhören. Er erinnerte sie an jenen Tag,
an welchem er mit dem alten Weibe gegangen, er erinnerte sie an alle einzelnen Vorfälle
seiner Kindheit, erzählte ihr dann, wie er sieben Jahre als Eichhörnchen gedient habe, bei
der Fee, und wie sie ihn verwandelte, weil er sie damals getadelt. Die Frau des Schusters
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